Führung zeigt sich im Widerstand
Führung zeigt sich nicht nur dann, wenn Menschen folgen. Sondern besonders dann, wenn sie Widerstand leisten.
Als Führungskraft mit Widerstand umzugehen bedeutet nicht, ihn möglichst schnell zu beseitigen. Denn Widerstand enthält häufig wichtige Informationen über Befürchtungen, Erfahrungen, Bedürfnisse oder ungeklärte Rahmenbedingungen.
Der Grundsatz lautet:
Widerstand würdigen. Ursachen verstehen. Führungsfähig bleiben.
Was kann hinter Widerstand stehen?
- Angst vor Kontroll- oder Autonomieverlust
- schlechte Erfahrungen mit Veränderungen
- fehlende Informationen oder Transparenz
- Überlastung oder fehlende Ressourcen
- Zweifel am Sinn oder an der Umsetzbarkeit
- ungeklärte Rollen und Zuständigkeiten
- Verletzungen oder das Gefühl, nicht gehört zu werden
Widerstand ist deshalb nicht automatisch Ausdruck mangelnder Motivation oder fehlender Loyalität.
Vier Schritte können helfen
1. Wahrnehmen
Den Widerstand nicht persönlich nehmen oder vorschnell bekämpfen.
2. Würdigen
Die Reaktion anerkennen, ohne ihr inhaltlich zuzustimmen.
- „Ich nehme Ihre Perspektive ernst.“
Würdigung bedeutet nicht, dass die andere Person automatisch recht erhält.
3. Erkunden
Bedürfnisse, Befürchtungen, Erfahrungen und Einwände verstehen.
- „Was genau bereitet Ihnen Sorgen?“
- „Was wäre Ihnen besonders wichtig?“
- „Was müsste geklärt sein, damit Sie den nächsten Schritt mittragen können?“
In dieser Phase gilt: zuerst zuhören, dann argumentieren.
4. Klären und führen
Auftrag, Erwartungen, Verantwortung und Spielraum transparent benennen.
- „Ich höre Ihre Bedenken. Gleichzeitig liegt die Entscheidung in meiner Verantwortung.“
- „Ich erwarte, dass wir den Entscheid professionell umsetzen, auch wenn Sie ihn persönlich nicht befürworten.“
- „Welche Unterstützung benötigen Sie für den nächsten Schritt?“
Führungskräfte sollten keine Beteiligung versprechen, wenn kein Spielraum besteht. Ist etwas bereits entschieden, darf nicht der Eindruck entstehen, der Entscheid sei noch offen.
Der entscheidende Balanceakt besteht darin, gleichzeitig sagen zu können:
„Ich möchte verstehen, was Sie beschäftigt.“
„Ich übernehme die Verantwortung für den Entscheid.“
Würdigung erweitert die Bereitschaft zur Kooperation, ersetzt aber keinen Führungsentscheid. Das Ziel ist nicht immer Zustimmung, sondern ein professioneller Umgang mit unterschiedlichen Einschätzungen.
Wie gelingt dir die Balance zwischen Verstehen und Entscheiden?